Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zieht junge Besucher an

Hamburg MKG Hokusai-Mangas

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Mit Projekten, die kontrovers diskutierte Themen aufgreifen, und innovativen Vermittlungsangeboten öffnet sich das MKG einem breiten Publikum und erreicht Menschen jeden Alters. Zu den meistbesuchten Sonderausstellungen zählte „Tattoo“ mit 83.000 Besuchern und einem Durchschnittsalter von 35 Jahren. Zum konsumkritischen Projekt „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ kamen 71.000 Besucher mit. Beide Ausstellungen zogen zahlreiche Jugendliche und Familien und überdurchschnittlich viele Erstbesucher an. Insgesamt zählt das MKG im letzten Jahr 2015 erfreuliche 241.269 Besucher.   

Hamburg MKG Geniale Dilletanten

Die Ausstellung „Geniale Dilletanten (bewusst falsch geschrieben!) – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland“ lässt die wilde Zeit der Achtziger aufleben, die die Kultur in Deutschland nachhaltig geprägt hat und Bewegung in Kunst, Musik und Design bringt. Im Bild „die tödliche Doris“ auf dem gleichnamigen Festival

Hamburg MKG sport or no sport Franziskus Fidel Castro (1)

Die Ausstellung „sports|no sports“ beleuchtet, wie die Sportmode immer mehr den Alltag erobert. Im Bild Papst Franziskus in weißer Robe zu Besuch bei Fidel Castro im Jogging-Outfit

Auch außerhalb Hamburgs stoßen die Ausstellungen auf großes Interesse. So ist „Fast Fashion“ bis zum 3. Juli 2016 im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu sehen und wandert nach einer weiteren Station in der Schweiz nach Australien und Südostasien.

Im vergangenen Jahr führte das MKG auch die intensive Arbeit mit den Sammlungen fort. Die „Sammlung Islamische Kunst“ richtet das MKG neu ein und ergänzt sie durch eine Wechselausstellung mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler. Ziel ist es, die große Vielfalt islamischer Kulturen, die Wechselwirkungen und den Wissenstransfer in der künstlerischen Produktion zwischen dem Alten Orient, den ostasiatischen und europäischen Kulturen bis heute nachvollziehbar zu machen. Zusammen mit den Präsentationen der großen Weltreligionen im MKG ist die Sammlung Islamische Kunst ein weiterer wichtiger Beitrag zum interreligiösen Dialog.

Das Ausstellungsprojekt „Jugendstil. Die große Utopie“ stellt die Epoche in neuer Interpretation vor. Die Neueinrichtung einer hauseigenen Jugendstil-Sammlung folgt den historischen Spuren ihrer ersten Präsentation um 1900 und wird begleitet von einer multimedialen Sonderausstellung mit internationalen Leihgaben. Sie wurde aufgrund des großen Interesses bis zum 28. Februar verlängert.

Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des MKG: „Als öffentliche Institution verstehen wir uns als ein Ort der Begegnung und der Kommunikation für alle, die an unserer Gesellschaft teilhaben. Es ist eine große Herausforderung, Menschen immer wieder mit relevanten und interessanten Themen zu erreichen.“

In der digitalen Vermittlung setzt das MKG Maßstäbe. Als erstes Museum in Deutschland stellt das MKG seit Oktober 2015 Sammlungsobjekte, die als gemeinfrei gelten, für jegliche Art der Nutzung zum Download MKG Sammlung Online zur Verfügung. Zurzeit sind knapp 4.700 Objekte abrufbar. Das Ausspielen der Daten an nationale und internationale Kultur-Portale beginnt 2016 mit dem Projekt Daguerreobase, das eine europaweite Verbreitung und Vernetzung des Bestands der Daguerreotypien ermöglicht. Für 2016 plant das MKG außerdem einen Audio-Rundgang auf der Basis neuester technischer Möglichkeiten: Mit einer iBeacon-Tour können die Besucher per Smartphone eine akustisch-atmosphärische Reise durch die „Period Rooms“ des Hauses erleben.
Zur Sammlung historischer Tasteninstrumente wird das MKG ein multimediales E-Book herausgeben. Der Mode-Blog Stilbrise.de, der die Ausstellung „Fast Fashion“ mit Interviews, News und Tipps begleitete, war in 2015 mit rund 120.000 digitalen Besuchen besonders erfolgreich und wird fortgeführt.

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Die Ausstellung „Sneaker. Design für schnelle Füße“ läuft von Mai bis August

 

 

 

 

 

 

Das neue Jahr im MKG beginnt laut: Die Ausstellung „Geniale Dilletanten – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland“ (bewusst falsch geschrieben!) lässt die wilde Zeit der Achtziger aufleben, die die Kultur in Deutschland nachhaltig geprägt hat und Bewegung in Kunst, Musik und Design bringt. Selber machen ist die Devise. Künstler und Designer experimentieren. Bands wie „Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.)“, „Palais Schaumburg“ oder „Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.)“ brechen mit dem Mainstream, spielen auf selbstgebauten Instrumenten und singen auf Deutsch. Zu sehen sind über 250 Exponate, darunter Gemälde, Fotografien, Kunst-, Design- und Modeobjekte, Schallplatten, Musikkassetten, Sound-Stationen, Magazine, Plakate und Filme.

Die neuen Medien sind ein junger Bereich der angewandten Kunst, denen das MKG besondere Aufmerksamkeit widmet. Spannend wird es, wenn deutlich wird, dass scheinbar neue Phänomene aus historischen Wurzeln hervorgehen. Die Ausstellung „Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ beschäftigt sich mit historischen und zeitgenössischen Massenmedien in Japan. Ein Blick auf Farbholzschnitte und Holzschnitt-Bücher der bedeutender ukiyo-e-Meister wie Kuniyoshi oder Hokusai zeigt, wie stark ihre Bilder und Erzähl-Strukturen bis heute nachwirken und auch in den westlichen Kulturen präsent sind. Motive, Stilelemente, Erzähl-Stoffe, die Typisierung der Figuren, die Herstellung bis hin zur höchst kommerziellen Vermarktung – all diese Attribute finden sich in den heute so beliebten und verbreiteten Manga, Anime und Computerspielen wieder. Mit Manga-Büchern, Zeichnungen, Skizzen, Holzschnitten und Drucken, Ausschnitten aus Anime-Filmen, Video games und Merchandise-Artikeln gibt die Ausstellung Einblick in das beeindruckende Manga-Universum.

Hamburg MKG Hokusai-Mangas

„Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ beschäftigt sich mit historischen und zeitgenössischen Massenmedien in Japan.

Fußballtrainer im Maßanzug, Büroangestellte in Jogginghosen, Fidel Castro in Adidas … Wo vor wenigen Jahren noch festgelegte Dresscodes herrschten, gilt heute „anything goes“. Die Ausstellung „sports|no sports“ beleuchtet, wie die Sportmode immer mehr den Alltag erobert. Sie erzählt von der Perfektionierung des Körpers vom Schnürleib bis zum Body-Shaping, zeigt sportliche Haute Couture und gestylte Sport-Outfits und stellt Designer, trendsetzende Unternehmer und Prominente vor, für die Sportswear ein persönliches Statement ist. Die Ausstellung zeigt rund 150 Outfits, darunter internationale Leihgaben, sowie Druckgrafik, Plakate, Fotografien und Filme.

Im Rahmen von Forschungsprojekten stellt sich das MKG auch in diesem Jahr wieder neuen Fragen und Debatten. Ab Oktober untersucht das Museum unter der kuratorischen Leitung von Roger M. Buergel seine eigene Sammlung im Rahmen des Verbundprojektes „Mobile Welten. Zur Migration der Dinge in transkulturellen Gesellschaften“. Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit den komplexen Verflechtungen von Objekt- und Lebenswelten durch Migration sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Wichtiger Bestandteil ist die Beteiligung von Jugendlichen verschiedener Herkunft. Das Projekt findet seinen Abschluss in einer Ausstellungspräsentation. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Die Ausstellung „Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG“ wird kontinuierlich um neue Erkenntnisse erweitert. Im Februar 2016 veranstaltet das MKG außerdem in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ein Symposium zum angemessenen Umgang mit Silberbeständen aus ehemals jüdischem Besitz in Museen.

Info: www.mkg-hamburg.de

Fotos Elke Backert

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Elke Backert

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Kunst, Kultur und Reisen
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