Über das neue „BikiniARTMuseum“

Kurios und noch niemals thematisiert. Bei der Vorstellung des neuen Directors des BikiniARTmuseums, das im Januar 2020 öffnet, verrieten die Initiatoren in der regen Diskussion auf Nachfrage etwas, was es eigentlich erst im Museum zu erfahren gegeben hätte. Ein Deutscher war maßgeblich initiativ beteiligt, dass die Frauen heute in Südamerika und nicht nur unter dem Zuckerhut diese Vielfalt an spektakulären kleinen Bikinis tragen. Auch die dafür in den westlichen Ländern gängige Bezeichnung „Tanga“ ist in Brasilien nicht bekannt und Teil der ungewöhnlichen Story, deren Stars die kecke Brasilianerin Rose di Primo und der deutsche Fotograf Michael Friedel sind.

Der Kunsthistoriker und Wunschkandidat Reinhold Weinmann wird neuer Director des weltweit ersten Bademoden-Museums, dem „BikiniARTMuseum“, das am 4. Januar 2020 in der „Hauptstadt der Bademode“ Bad Rappenau, direkt an der internationalen Verkehrsdrehscheibe Autobahn A6, eröffnet. Der Vorstellung des neuen Museumsleiters folgte in dem überfüllten Tagungsraum des Best Western Hotels ein Vortrag von Fr. Dr. Viola Hofmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Kulturanthropologie des Textilen an der Technischen Universität Dortmund. Mit „Der Bikini. Kleines Kostüm – große Konflikte“ griff sie den Diskurs um den polarisierenden Bikini auf und löste eine lebhafte und intensive Diskussion mit dem Fachpublikum aus.
Dabei entlockte das nachfragende Publikum den Initiatoren des Museums eine super Story mit bisher unbekannten Zusammenhängen, die eigentlich erst im Museum aufgedeckt werden sollten.
An den Stränden Rios tragen die Mädchen den weltbekannten brasilianischen Tanga. Nur in Brasilien selbst kennt fast niemand den „Tanga“ als Bezeichnung für die äußerst knappen Bikinihosen-Schnitte. Wie kommt das? Die Story deckte das BikiniARTmuseum bei ihren Recherchen auf und verfolgte dabei verschiedene Quellen.

Copacabana/Ipanema 1974 – seine Freizeit am Strand zu verbringen wurde gerade erst „in“. Man trug dabei sehr konservative Badebekleidung, was den Moralvorstellungen von Behörden und Gesellschaft geschuldet war. Nicht so die damals 17-jährige wunderschöne Rose di Primo und ihre Freundinnen: Sie fielen durch ihre äußerst knappen Bikinis auf, die nur an den wichtigsten Stellen Stoff vorwiesen, ansonsten mit Bändchen verbunden waren. Der atemberaubende Hingucker entwickelte sich schnell zum öffentlichen Ärgernis. Doch Rose und ihre Freundinnen ließen sich nicht beirren.

Zu dieser Zeit tauchte der deutsche Fotograf und Reporter Michael Friedel in Rio auf. Seinen Freund Justino Martins, Herausgeber des Magazins „Manchete“, fragte er, ob es etwas Besonderes zu fotografieren gäbe. Justino erzählte ihm von der besagten Mädchenclique, über die ganz Rio sprach. Michael stöberte Rose und ihre Freundinnen auf und schoss tolle Fotos. Justino steuerte den Namen bei: „Tanga“, ein Indigo-Wort für Lendenschurz, denn die knappen Höschen erinnerten ihn an das, was die Ureinwohner Brasiliens trugen. Zurück in Deutschland titelte schon bald der „stern“ mit „Scharfes aus Rio“ und Rose di Primo auf dem Cover. Der „Tanga-Bikini aus Rio“ wurde vorgestellt. Es dauerte nicht lange, und andere Länder wie Italien und USA zogen nach. „So laufen alle am Strand in Rio umher“, war der Tenor, der gar nicht der Wahrheit entsprechenden Schlagzeilen.
Das machte neugierig. Anfragen aus der ganzen Welt ereilten die Metropole am Zuckerhut. Das Skandalprodukt wurde schnell zum Aushängeschild. „BlueMan“, eine zu dieser Zeit aufstrebende, brasilianische Bademoden-Firma erkannte die Chance und fing an „Lazinhos“ in Serie zu produzieren. Lazinhos, übersetzt „Bändchen“, ist in Brasilien bis heute der Name dieser neuen Art von Mini-Bikinis, die nur von kleinen Bändchen zusammengehalten werden. Und es war ein großartiger Erfolg, die Lazinhos fanden reißenden Absatz. Heute sind die „Strings“ das Markenzeichen der brasilianischen Schönheiten. Einmal in Fahrt gekommen entwickelt der Brasilianer große Kreativität.

Auf den Lacinho folgte der „Asa Delta“ (zu dt.: mit hochgezogenen Hüften) und der spektakuläre „Fio Dental“, übersetzt „Zahnseide“, den man sich nur in Südamerika zu tragen traut und der auf der Rückseite so gut wie nichts verdeckt. Der für die Story im Stern erfundene Begriff „Tanga“ wurde im Ursprungsland selbst nie bekannt. Ein weiteres Phänomen ist die Tatsache, dass die weiblichen Cariocas, so nennt man die originalen Einwohner von Rio, unabhängig von Figur und Alter den Zahnseiden-Bikini tragen. Das, was Copacabana und Ipanema von anderen weltberühmten Stränden unterscheidet, ist der Stolz und das unfassbare Selbstbewusstsein der Frauen in ihrem Lieblings-Badekleid.
Resumée: Der Auslöser für die weltberühmte Bademode der Brasilianer war ein deutscher Fotograf und ein Artikel im deutschen Magazin „stern“. Das im Sprachgebrauch verwendete Wort „Tanga“ ist eine situationsbedingte, pfiffige Erfindung der Friedel-Crew und in Brasilien de-facto unbekannt. Dort tragen die heute viel bewunderten Mädchen und Frauen „Lacinho“, „Asa Delta“ oder „Fio Dental“.

Fotos: Archiv BikiniARTmuseum

Über Elke Backert

Kunst, Kultur und Reisen
Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar